
CDU und SPD in Rheinland-Pfalz haben den Weg für eine gemeinsame Landesregierung frei gemacht. Sowohl der Landesparteiausschuss der Christdemokraten in Mainz als auch ein außerordentlicher Parteitag der Sozialdemokraten im rheinhessischen Nieder-Olm stimmten dem rund 100 Seiten starken Koalitionsvertrag zu, der die Grundlage für die künftige Regierungszusammenarbeit bildet. Bei der CDU fiel das Votum einstimmig aus und wurde von langanhaltendem Applaus und stehenden Ovationen begleitet.
In der SPD gab es bei den anwesenden 298 Delegierten nur geringe Gegenwehr: Vier stimmten gegen den Vertrag, sechs enthielten sich, die Zahl der Ja-Stimmen wurde nicht im Detail ausgezählt. Der bisherige Ministerpräsident Alexander Schweitzer, der die Verhandlungen für die SPD federführend geführt hatte, kündigte an, einem Kabinett unter CDU-Führung nicht anzugehören. Über die künftige Zusammensetzung der Regierung wollen beide Parteien in der kommenden Woche informieren.
CDU-Landeschef Gordon Schnieder, der nach der offiziellen Unterzeichnung des Vertrags am 18. Mai – dem Verfassungstag von Rheinland-Pfalz – voraussichtlich vom Landtag zum neuen Regierungschef gewählt wird, präsentierte sich nach den Abstimmungen demonstrativ zufrieden. Er sprach von einem „tollen Tag“ und betonte seine Vorfreude auf die anstehenden Aufgaben. Schnieder warb in Mainz eindringlich für das Bündnis und verwies auf die Verantwortung, die mit dem Regierungsauftrag verbunden sei. Die Menschen erwarteten eine Politik, die funktioniere, Probleme anpacke und löse, sagte er.
Der CDU-Politiker hob hervor, der Vertrag trage eine klare Handschrift seiner Partei, machte zugleich aber deutlich, dass verantwortungsvolles Regieren Kompromisse verlange. Die Verhandlungen mit der SPD bezeichnete er als vertrauensvoll. Nach Jahrzehnten, in denen beide Parteien im Land in unterschiedlichen Rollen agiert hätten, sei es nötig gewesen, neues Vertrauen aufzubauen. In den kommenden Wochen soll das Papier offiziell unterzeichnet werden, bevor der formale Regierungswechsel im Mainzer Landtag vollzogen wird.
In Thüringen ist ein großangelegtes Forschungsprojekt zur nächsten Generation der Nanostrukturierung gestartet. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Technischen Universität Ilmenau, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF) in Jena entwickeln gemeinsam eine Hochpräzisionsmaschine, die Nanostrukturen auf Flächen von bis zu einem Quadratmeter erzeugen und vermessen soll. Die geplante 3D-Nanolithographie- und Nanomessmaschine (3D-NLM) soll dabei eine Positionierungsgenauigkeit erreichen, die kleiner ist als ein Atom. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt die erste Projektphase bis 2027 im Rahmen des Programms „Neue Geräte für die Forschung“ mit vier Millionen Euro.
Mit dem Vorhaben zielt das Konsortium auf eine Größenordnung, die bestehende Anlagen deutlich übertrifft. Bisher lassen sich hochpräzise Nanostrukturen auf photonischen Bauteilen nach Angaben der Projektbeteiligten nur bis zu einem Durchmesser von etwa 30 Zentimetern zuverlässig herstellen. Die neue Anlage soll Bearbeitungen und Messungen von Bauteilen mit Kantenlängen von bis zu einem Meter ermöglichen – und damit eine mehr als dreifache Vergrößerung der nutzbaren Fläche erschließen. Die Entwicklungsarbeiten an der Maschine sind angelaufen; das Gesamtprojekt ist in drei Phasen bis 2032 angelegt.
Nanostrukturen gelten seit rund zwei Jahrzehnten als Schlüsseltechnologie, weil sie Licht gezielt beeinflussen können, indem sie dessen Wellenlänge und Ausbreitung steuern. Solche Strukturen finden sich bereits heute in großflächigen Bauteilen, etwa in Displays moderner Fernsehgeräte, die auf Nanotechnologie basieren. Nach Einschätzung der Forscherinnen und Forscher reicht die Genauigkeit bestehender industrieller Lösungen jedoch nicht aus, um künftige Anforderungen in zentralen wissenschaftlichen und technologischen Anwendungsfeldern zu erfüllen.
Die in Thüringen entstehende 3D-NLM soll genau diese Lücke adressieren. Perspektivisch könnte die Maschine zur Fertigung und Charakterisierung elektronischer und photonischer Schaltkreise ebenso eingesetzt werden wie zur Herstellung von Hochleistungsoptiken für die Erdbeobachtung. Auch in der Energieforschung sehen die Projektpartner potenzielle Einsatzfelder. Durch die Kombination aus großflächiger Bearbeitung und atomnaher Präzision erhoffen sich die Beteiligten einen technologischen Sprung, der sowohl der Grundlagenforschung als auch der Entwicklung neuer Komponenten in der Optik- und Elektronikindustrie zugutekommen könnte.