Gescheiterte Iran-Verhandlungen und Hormus-Risiko drücken DAX und Euro Stoxx 50

13.04.2026


Die europäischen Aktienmärkte sind zum Wochenauftakt deutlich unter Druck geraten. Nach dem vorläufigen Scheitern der direkten Friedensverhandlungen zwischen den USA und dem Iran und der von US-Präsident Donald Trump angekündigten Seeblockade in der Straße von Hormus weiteten die Leitindizes ihre Verluste im frühen Handel aus. Der Eurozonen-Leitindex Euro Stoxx 50 fiel rund eineinhalb Stunden nach Handelsstart um 0,98 Prozent auf 5.868,19 Punkte, der DAX gab um 0,97 Prozent auf 23.572,06 Zähler nach.

Die jüngste Zuspitzung der Lage im Persischen Golf treibt die Ölpreise spürbar nach oben: In der Nacht auf Montag stieg der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni wieder über die Marke von 100 US‑Dollar. Die Verteuerung von Energie hatte bereits an den asiatischen Börsen Spuren hinterlassen und setzt nun auch die europäische Notierung unter Druck. Analyst Frank Sohlleder vom Handelshaus ActivTrades sprach von einem „explosiven geopolitischen Gemisch“ mit massiven Risiken; die Straße von Hormus bleibe als zentrales Nadelöhr unter Kontrolle Teherans blockiert, während die US‑Administration ihrerseits mit aggressiven Blockaden drohe.

Auslöser der jüngsten Spannungswelle waren erfolglose direkte Gespräche zwischen Washington und Teheran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Für diesen Montag kündigte das US‑Militär auf Trumps Anordnung eine Blockade von Schiffen an, die iranische Häfen in der Straße von Hormus anlaufen oder von dort auslaufen. Die Passage von Schiffen ohne iranischen Start- oder Zielhafen solle laut US‑Militär nicht beeinträchtigt werden. Trump will damit verhindern, dass Iran Transitgebühren für die Meerenge erhebt und das Land zugleich von Öleinnahmen abschneiden. Teheran reagierte mit scharfer Rhetorik: Der Sprecher des Sicherheitsausschusses im iranischen Parlament, Ebrahim Rezaei, bezeichnete die Ankündigung auf der Plattform X als Bluff und warnte, eine solche Blockade würde als Militäroperation gewertet. Die Revolutionsgarden erklärten, ein Nähern von Militärschiffen an die Straße von Hormus würde als klarer Verstoß gegen die Waffenruhe angesehen.

Vor diesem Hintergrund agieren Investoren an den europäischen Märkten vorsichtig bis defensiv. Zwar rechnen viele Marktteilnehmer laut Sohlleder damit, dass beide Seiten „zähneknirschend“ an den Verhandlungstisch zurückkehren, doch die akute Gefahr einer weiteren Eskalation gilt als hoch. Neben den geopolitischen Risiken belasten auch unternehmensspezifische Faktoren einzelne Werte im DAX und MDAX: Am DAX‑Ende standen Deutsche Telekom nach einem Analystenkommentar der US‑Bank JPMorgan mit einem Minus von 2,3 Prozent, da über den Aussichten des US‑Geschäfts laut Analyst Akhil Dattani „Wolken“ hingen. Im MDAX zählten Nemetschek mit einem Kursrückgang von knapp sieben Prozent zu den größten Verlierern, nachdem die Großbank UBS die Aktien zum Verkauf empfahl und Analyst Michael Briest auf Risiken langjähriger Verträge des Bausoftware-Anbieters hinwies.

Deutsche Beteiligungs AG erwirbt weitere 20.000 eigene Aktien

13.04.2026


Die Alzchem Group AG setzt ihr laufendes Aktienrückkaufprogramm rund um die diesjährige Hauptversammlung vorübergehend aus, während die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) ihren Rückkauf eigener Aktien planmäßig fortführt. Damit zeigen zwei SDAX-notierte Gesellschaften unterschiedliche Taktungen im Management ihrer Kapitalmarktprogramme – beide gestützt auf den regulatorischen Rahmen der EU-Marktmissbrauchsverordnung.

Alzchem unterbricht das mit Ad-hoc-Mitteilung vom 15. Dezember 2025 angekündigte Rückkaufprogramm in der Zeit vom 30. April bis einschließlich 8. Mai 2026. Grund ist die ordentliche Hauptversammlung am 5. Mai 2026. Das Unternehmen mit Sitz in Trostberg will mit der Pause sicherstellen, dass eine von der Hauptversammlung 2026 möglicherweise beschlossene Dividendenzahlung zuverlässig abgewickelt werden kann. Die zeitweilige Unterbrechung erfolgt im Einklang mit Art. 5 der Verordnung (EU) 596/2014 und der Delegierten Verordnung (EU) 2016/1052, die unter anderem Safe-Harbour-Regeln für Aktienrückkäufe definieren.

Die Deutsche Beteiligungs AG verfolgt derweil eine andere Phase ihres Programms. Das Frankfurter Private-Equity-Haus hat im Zeitraum vom 6. bis einschließlich 10. April 2026 insgesamt 20.000 eigene Aktien über die Börse erworben. Grundlage ist ein laufendes Aktienrückkaufprogramm, das am 26. Februar 2025 bekannt gemacht und mit Mitteilung vom 2. März 2026 bis spätestens 31. Juli 2026 verlängert wurde. Seit dem Start des Programms am 3. März 2025 hat die Gesellschaft damit insgesamt 693.800 Aktien zurückgekauft. Die Transaktionen werden ausschließlich über ein von der DBAG beauftragtes Kreditinstitut abgewickelt; detaillierte Angaben veröffentlicht die Gesellschaft auf ihrer Investor-Relations-Seite.

Beide Maßnahmen verdeutlichen, wie Emittenten ihre Spielräume innerhalb der europäischen Regulierung nutzen, um Aktienrückkäufe mit anderen Kapitalmarktentscheidungen zu verzahnen. Während Alzchem den Fokus kurzfristig auf eine reibungslose Dividendenabwicklung rund um die Hauptversammlung legt, setzt die Deutsche Beteiligungs AG ihre Rückkäufe im Rahmen des bis Ende Juli 2026 laufenden Programms fort und erhöht damit kontinuierlich den Bestand eigener Aktien.