Immer mehr Jugendliche setzen auf Freiwilliges Soziales Jahr statt Wartesemester

10.06.2026


Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) etabliert sich in Österreich zunehmend als feste Größe im Übergang zwischen Schule und Beruf. Laut der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage der FPÖ durch Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) nahmen 2025 bereits rund 1.900 junge Menschen an dem Programm teil, davon etwa 1.200 Frauen. Ein Jahr zuvor waren es noch 1.700. Vor der gesetzlichen Verankerung des FSJ im Jahr 2012 lag die Zahl der Teilnehmenden erst bei 300 bis 400 pro Jahr.

Den stärksten Zulauf verzeichnet das Rettungswesen, das derzeit den wichtigsten Einsatzbereich für Freiwillige bildet. Danach folgen die Sozial- und Behindertenhilfe sowie die Betreuung von Kindern und älteren Menschen. Regional sticht Niederösterreich mit 730 Teilnehmerinnen und Teilnehmern hervor, deutlich vor Wien mit 352 und Oberösterreich mit 243 Freiwilligen. Im Durchschnitt sind die FSJ-Leistenden 19 Jahre alt und absolvieren damit unmittelbar nach der Schulzeit ein sechs- bis zwölfmonatiges Ausbildungsverhältnis, das ab 17 Jahren offensteht.

Das FSJ wirkt zunehmend als Rekrutierungsinstrument für den Sozial- und Rettungssektor. Bei einer Evaluierung gaben 75 Prozent der Teilnehmenden an, auch langfristig in diesem Bereich arbeiten zu wollen. Organisationen wie das Rote Kreuz profitieren unmittelbar von dieser Entwicklung: Dort bleibt knapp die Hälfte der Freiwilligen nach Ende ihres Sozialjahres weiter aktiv. Das Programm dient damit nicht nur als Orientierungsphase für Jugendliche, sondern auch als stabilisierender Faktor für Personal- und Ehrenamtsstrukturen im Sozialbereich.

Der anhaltende Aufwärtstrend seit der gesetzlichen Verankerung unterstreicht den wachsenden Stellenwert freiwilliger Sozialdienste in Österreich. Für Politik und Trägerorganisationen wird damit die Frage wichtiger, wie die gestiegene Nachfrage langfristig finanziert und strukturell abgesichert werden kann. Gleichzeitig deutet die hohe Quote an weiter Engagierten darauf hin, dass das FSJ zu einem zentralen Baustein der Nachwuchsgewinnung in Pflege, Betreuung und Rettungsdiensten geworden ist.

Nach Bauverzögerung: Bahn öffnet Kernkorridor Hamburg–Berlin mit Einschränkungen

15.06.2026


Nach gut zehn Monaten Bauzeit ist die stark befahrene Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin wieder vollständig in Betrieb – allerdings mit sechs Wochen Verspätung gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan. Am frühen Morgen fuhr der erste Fernzug um 5.36 Uhr mit leichter Verspätung vom Hamburger Hauptbahnhof in Richtung Hauptstadt ab, wie die Deutsche Bahn mitteilte. Bereits seit Samstagabend nutzen Güterzüge den Korridor, seit Sonntag rollen auch wieder Fern- und Regionalzüge regulär über die sanierte Verbindung.

Für Tausende Pendlerinnen und Pendler entfällt damit der belastende Ersatzverkehr mit Bussen. Während der Generalsanierung war der Fernverkehr über Stendal und Uelzen umgeleitet worden, regionale Verbindungen zwischen Hamburg und Berlin fielen monatelang aus. Schon Mitte Mai hatte die Bahn einen ersten Teilabschnitt entlastet und die durchgehende Verbindung zwischen Hamburg und Schwerin wieder aufgenommen. Nun ist die gesamte Achse zurück im Netz – die Bahn warnt jedoch vor Anlaufschwierigkeiten und empfiehlt, Fahrzeiten vorab zu prüfen.

Die Wiederinbetriebnahme verläuft holprig. Am ersten Betriebstag sammelten sich auf der frisch sanierten Strecke Verspätungen von mindestens 15 Minuten, teils deutlich darüber. Fernzüge benötigten am Sonntag in der Regel mehr als zwei Stunden und 15 Minuten zwischen den Hauptbahnhöfen, obwohl die schnellsten ICE nach Abschluss der Arbeiten eigentlich in rund einer Stunde und 47 Minuten verkehren sollen. Hintergrund ist unter anderem, dass das für Tempo 230 ausgelegte LZB-Zugsicherungssystem auf Teilen der Trasse noch nicht abgenommen ist. Auf diesen Abschnitten gilt vorerst das PZB-System mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 160 Stundenkilometern.

Die Bauarbeiten auf der 2025 begonnenen Generalsanierung umfassten nach Bahnangaben die Erneuerung von 165 Kilometern Gleisen und die Instandsetzung weiterer 61 Kilometer. Zudem wurden 249 Weichen eingebaut und 28 Bahnhöfe modernisiert. Der ursprünglich bis Ende April angesetzte Abschluss verzögerte sich durch einen harten Winter und gefrorenen Boden, der den Zeitpuffer aufbrauchte. Mit der jetzt abgeschlossenen Kernsanierung ist die Verbindung zwischen den beiden größten deutschen Städten infrastrukturell deutlich erneuert, ihre geplante Höchstleistung im Fahrplanbetrieb dürfte aber erst erreicht werden, wenn die technischen Zugsicherungssysteme auf der gesamten Strecke vollumfänglich verfügbar sind.