Junge, reiche und private Käufer: Kunstmarkt erlebt Machtverschiebung zur Gen Z

08.10.2026


Vermögende Vertreterinnen und Vertreter der Generation Z haben sich in den vergangenen eineinhalb Jahren zur ausgabefreudigsten Gruppe auf dem globalen Kunstmarkt entwickelt – und zugleich zur verschwiegensten. Laut dem „Art Basel and UBS Survey of Global Collecting 2026“, erhoben von Arts Economics in Zusammenarbeit mit UBS, gaben Sammlerinnen und Sammler unter 30 Jahren in den Jahren 2025 und im ersten Halbjahr 2026 mehr Geld für bildende Kunst aus als jede andere untersuchte Alterskohorte. Ihre Ausgaben lagen im Schnitt mehr als doppelt so hoch wie jene älterer Generationen; in der Spitzengruppe der Transaktionen ab einer Million US‑Dollar stellte Gen Z im laufenden Jahr nahezu die Hälfte aller Käufer.

Die Studie basiert auf einer Befragung von 3100 vermögenden Individuen in zehn wichtigen Märkten, darunter die USA, das Vereinigte Königreich, Festlandchina, Hongkong, Frankreich, Australien, Deutschland, Japan, Brasilien und Singapur. Ergänzende Auswertungen zeigen, dass die jüngsten Sammler beim Ankauf von Kunst im Durchschnitt deutlich vor Babyboomern, Millennials und der Generation X liegen. Ökonomen verweisen darauf, dass Gen Z an der Spitze der Vermögensverteilung heute reicher ist als frühere Generationen im gleichen Alter – und einen Teil dieses Kapitals in Gemälde, Skulpturen und andere hochwertige Sachwerte lenkt.

Bemerkenswert ist, wie stark familiäre Prägungen die Sammelkarrieren der Jüngsten steuern. Insgesamt nannten 28 Prozent aller Befragten das familiäre Umfeld als wichtigsten Einstieg in die Welt des Sammelns. Bei der Generation Z lag dieser Anteil bei 40 Prozent; fast 90 Prozent behielten geerbte Kunstwerke dauerhaft in ihren Kollektionen. Trotz ihres veränderten Nutzungsverhaltens im digitalen Raum bevorzugen sie laut Studie weiterhin traditionelle Kategorien wie Malerei und Skulptur – ein Hinweis darauf, dass ästhetische Vorlieben über Generationen hinweg beständiger sein können, als oft angenommen wird.

Gleichzeitig zeichnet die Untersuchung ein differenziertes Bild von Status und Sichtbarkeit im Kunstmarkt. Dr. Clare McAndrew, Gründerin von Arts Economics, betont, viele Käufe seien weniger von demonstrativem Konsum getrieben als vom Wunsch, innerhalb enger Netzwerke Verbindungen zu knüpfen. Status leite sich demnach eher aus Seltenheit, Provenienz, Originalität und Entdeckertum ab als allein aus dem Preis. Exklusivität werde Teil des Signals – und gerade Gen Z lege großen Wert auf Abschottung: Sie ist die Generation, die ihre Sammlungen am seltensten öffentlich online zeigt und bevorzugt stattdessen Einladungsräume sowie ein streng begrenztes persönliches Umfeld. UBS-Ökonomen verweisen zugleich darauf, dass gesellschaftliches Engagement für viele Sammler ein wichtiges Motiv bleibt; fast ein Viertel der Befragten plant demnach Schenkungen an Museen in den kommenden zwölf Monaten.

AfD-Ausschussvorsitze im Fokus: CDU in der Zwickmühle zwischen Abgrenzung und Einbindung

08.10.2026


Der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) hat eine Neujustierung des Umgangs mit der AfD im Bundestag gefordert und damit eine innerparteiliche wie parlamentarische Grundsatzdebatte angestoßen. In einem Interview mit dem Magazin „Stern“ plädierte der CDU-Politiker dafür, der AfD die ihr nach dem üblichen Verteilungsschlüssel zustehenden Vorsitzendenposten in den Fachausschüssen des Bundestags nicht länger zu verwehren. „Die Partei ist gewählt, und so sollte man mit ihr auch umgehen“, sagte Rhein und verwies darauf, dass die AfD im hessischen Landtag und in anderen Länderparlamenten bereits Ausschussvorsitze innehat.

Im Bundestag verfügt die AfD wie die anderen Fraktionen über ein Vorschlagsrecht für bestimmte Ausschussvorsitze. Bisher scheiterte sie jedoch regelmäßig daran, dass ihre Kandidatinnen und Kandidaten bei den Wahlen in den Ausschüssen nicht die Unterstützung der Abgeordneten der übrigen Parteien erhielten und damit die nötigen Mehrheiten verfehlten. Eine Klage der AfD-Bundestagsfraktion vor dem Bundesverfassungsgericht blieb im September 2024 ohne Erfolg; Karlsruhe sah keinen Anlass, in das Verfahren der Ausschussbesetzungen einzugreifen. Politisch aber gewinnt die Frage durch Rheins Vorstoß neue Brisanz.

Rhein grenzt sich zugleich von einer inhaltlichen Annäherung an die AfD ab und lehnt ein Verbotsverfahren gegen die Partei ab. Er halte das vielzitierte Bild einer „Brandmauer“ für falsch, betonte der CDU-Landeschef. Für die Union gelte: „Wir grenzen uns klar von der AfD ab, aber wir grenzen die Partei nicht aus.“ Das müsse sich auch in der Parlamentsarbeit widerspiegeln. Anstelle juristischer Schritte warb Rhein dafür, die AfD politisch zu stellen: Die CDU müsse den Wählerinnen und Wählern „ein besseres Angebot machen“ und die „Deutungshoheit über die Alltagsfragen“ zurückgewinnen. Eine Zusammenarbeit mit der AfD setze aus seiner Sicht eine „Politik der klaren roten Linien“ voraus.

Die AfD bewertet die Äußerungen des hessischen Regierungschefs als Signal eines sich abzeichnenden Kurswechsels in der Union. Der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, Bernd Baumann, sprach gegenüber der Nachrichtenagentur AFP von einem „überfälligen“ Schritt und einem Zeichen für ein „generelles Umdenken in der CDU“. Die Forderung nach Ausschussvorsitzen sei „nur der erste Schritt – weitere werden folgen“, prognostizierte Baumann. Angesichts jüngster Wahlergebnisse sehe er die Union unter Druck, ihre bisherige Ausgrenzungsstrategie zu überdenken. Koalitionsfraktionen im Bundestag wiesen einen von Rhein geforderten Kurswechsel allerdings zurück und halten bislang an der Linie fest, AfD-Kandidaten für Ausschussvorsitze nicht zu unterstützen.

In den Fachausschüssen des Bundestags wird ein Großteil der inhaltlichen Gesetzgebungsarbeit vorbereitet. Die Vorsitzenden spielen eine zentrale Rolle bei der Organisation der Beratungen und der Tagesordnungsgestaltung. Die Verteilung dieser Schlüsselpositionen erfolgt nach einem festgelegten Schlüssel zwischen den Fraktionen, doch bleibt die tatsächliche Besetzung an die Wahl durch die Ausschussmitglieder gebunden. Vor diesem Hintergrund berührt die von Rhein angestoßene Debatte nicht nur die Machtbalance zwischen den Fraktionen, sondern auch die Frage, wie das Parlament mit Parteien umgeht, die zwar demokratisch gewählt sind, von großen Teilen des Hauses aber weiterhin klar abgelehnt werden.