
Die Aktie des Prothesen- und Orthopädietechnik-Spezialisten Ottobock rückt nach einem kräftigen Kursrutsch verstärkt in den Fokus von Analysten. Sowohl Deutsche Bank Research als auch die Schweizer Großbank UBS empfehlen den Titel inzwischen zum Kauf. Nach einem Rekordtief von 45,56 Euro am Montag legte die Aktie am Dienstagmorgen auf der Handelsplattform Tradegate um 3,69 Prozent auf 52,00 Euro zu.
Deutsche Bank Research bestätigte nach einer Roadshow mit dem Finanzchef die Einstufung "Buy" und ein Kursziel von 81 Euro. Die fundamentale Lage des Unternehmens sei intakt, heißt es in der Studie. Daran ändere auch ein gedämpfter Start in das laufende Geschäftsjahr nichts. Die Experten signalisieren damit, dass sie die jüngste operative Abkühlung als temporär einstufen und die mittelfristigen Perspektiven von Ottobock weiter positiv bewerten.
UBS ging noch einen Schritt weiter und stufte die Aktie von "Neutral" auf "Buy" hoch, bei einem unveränderten Kursziel von 74 Euro. Analyst Graham Doyle verweist auf den massiven Kursrückgang, nach dem er nun ein klares Übergewicht der Chancen sieht. Die Bewertung liege nur noch auf Höhe des Sektors, obwohl Ottobock bei Umsatz- und Ergebniswachstum nahezu doppelt so schnell zulege wie die Vergleichsunternehmen, so Doyle. In diesem Licht erscheine das Ausmaß des Kurssturzes nicht gerechtfertigt.
Trotz der jüngsten Gegenbewegung bleibt die Bilanz für Anleger bislang schwach: Im Vergleich zur Vorwoche notiert die Ottobock-Aktie rund 7,6 Prozent tiefer, auf Monatssicht summiert sich das Minus auf gut 11,7 Prozent. Seit Jahresbeginn liegt der Rückgang bei 24,26 Prozent. Mit 64 Millionen ausstehenden Aktien kommt Ottobock aktuell auf eine Marktkapitalisierung von rund 3,43 Milliarden Euro. Vor dem Hintergrund dieser Marktbewertung und der fortbestehenden Wachstumsstory sehen die Analysten den jüngsten Kursrutsch als Einstiegsgelegenheit, während Investoren die Unsicherheit am Gesamtmarkt und die operative Entwicklung des Unternehmens weiter genau beobachten dürften.

CSU-Chef Markus Söder erhöht den Druck auf die schwarz-rote Koalition in Berlin und verlangt ein deutlich höheres Reformtempo. Angesichts der geopolitischen Lage und einer veränderten Weltwirtschaft sei die Situation „so ernst wie nie“, sagte der bayerische Ministerpräsident dem Magazin „Stern“. Ursprünglich war in der Koalition von einem Zeitfenster bis zur parlamentarischen Sommerpause die Rede, um zentrale Vorhaben umzusetzen. Aus Söders Sicht ist das zu spät: „Am besten muss alles zwischen Ostern und Pfingsten passieren“, fordert er und spricht von einer politischen „Crunch Time“.
Inhaltlich dringt Söder auf ein umfassendes Reformpaket, das Steuer- und Abgabenlast, hohe Energiekosten, mehr Flexibilität in der Arbeitswelt, Hightech-Förderung und Entbürokratisierung zusammenführt. Er wirbt für eine „Agenda 2010 Reloaded“ mit einer neuen Balance zwischen Standortstärkung und sozialer Absicherung. Die Koalition müsse dafür ideologische Gräben überwinden: „Jetzt müssen alle raus aus ihren ideologischen Elfenbeintürmen. Es gibt keine Ausreden mehr“, so der CSU-Chef.
Besonders scharf positioniert sich Söder in der Steuerpolitik. Eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes lehnt er kategorisch ab; dies wäre nach seinen Worten ein „Schlag ins Gesicht für die Leistungsträger im Mittelstand“. Stattdessen setzt er auf Steuersenkungen, um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu stärken. Finanziert werden sollen diese nach Söders Vorstellungen durch Einsparungen im Bundeshaushalt – unter anderem bei Jugend- und Eingliederungshilfen, bei Bürgergeldkosten für EU-Ausländer sowie durch Kürzungen der Förderung für E-Autos und sogenannten grünen Stahl.
Der Zeitdruck ergibt sich aus Sicht des CSU-Chefs auch aus dem Kalender: Nach der politischen Sommerpause stehen Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sowie die Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin an. Söder rechnet mit aggressiven Wahlkämpfen und fordert, die Koalition müsse bis dahin ein schlüssiges Reformpaket vorlegen, um Wählerinnen und Wähler zu überzeugen und politische Stabilität zu sichern. Während SPD-Chef Lars Klingbeil höhere Belastungen für Spitzenverdiener ins Spiel bringt, stellt sich Söder klar dagegen – und macht Binnenkonsens in der Koalition damit zur offenen Baustelle.