
Wilhelmshaven treibt seine Rolle als eines der zentralen Energiedrehkreuze Deutschlands weiter voran. Am 9. April 2026 wurden in der Hafenstadt gleich zwei energiepolitisch bedeutende Vorhaben offiziell angeschoben: der Netzverknüpfungspunkt Sengwarden des Übertragungsnetzbetreibers Tennet sowie ein groß dimensionierter Batteriespeicher, den Uniper gemeinsam mit dem Partner NGEN auf dem Gelände des früheren Steinkohlekraftwerks errichtet. Die Projekte gelten als Bausteine für eine flexiblere und stärker auf erneuerbare Quellen ausgerichtete Stromversorgung.
Auf der Fläche des ehemaligen Uniper-Kraftwerks markierten Uniper und NGEN den Spatenstich für einen Batteriespeicher mit einer Leistung von 50 Megawatt und einer Kapazität von 100 Megawattstunden. Die Anlage ist darauf ausgelegt, kurzfristige Schwankungen im Stromnetz auszugleichen, die vor allem durch stark variierende Einspeisungen aus Wind- und Solarkraft entstehen. Damit soll der Speicher die Integration erneuerbarer Energien stärken und zugleich einen Beitrag zur Netzstabilität leisten. Die Inbetriebnahme ist nach aktueller Planung für das erste Quartal 2027 vorgesehen.
Zum symbolischen Baustart des Speichers waren Vertreter beider Unternehmen sowie die Landes- und Kommunalpolitik erschienen. Für Uniper nahmen unter anderem COO Holger Kreetz, Jan Taschenberger, COO New Green Power & Gas, und Projektleiter Harald Poppinga am Spatenstich teil. NGEN wurde von CEO und Co-Founder Roman Bernard, CMO Mirjam Bernard und Marco Scholz, Managing Director NGEN Germany, vertreten. Als Ehrengäste waren Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies und der Oberbürgermeister von Wilhelmshaven, Carsten Feist, vor Ort. Lies betonte, der Standort zeige beispielhaft, wie erneuerbare Energien für den industriellen Wandel nutzbar gemacht werden könnten und wie Niedersachsen seine Position als „Energieland Nummer 1“ weiter festige.
Gleichzeitig knüpfte der Ministerpräsident seine Unterstützung an klare Erwartungen: Die tiefgreifenden strukturellen Veränderungen müssten für die betroffenen Regionen auch greifbare Vorteile bringen. Die Menschen vor Ort sollten durch lokale Wertschöpfung und verlässliche Zukunftsperspektiven profitieren, forderte Lies. Dort, wo die Energie entstehe, müsse der Nutzen größer sein als an Standorten, an denen sie zusätzlich anlande. Mit Blick auf die bundesweite Debatte um den Energiemix verwies Lies zudem auf den Kurs in Richtung erneuerbarer Energien und kritisierte Vorstellungen, wonach viele kleine Kernkraftwerke wirtschaftlicher zu betreiben seien als große Anlagen. Niedersachsen, so seine Botschaft, sei für den weiteren Ausbau einer sauberen und unabhängigen Energieversorgung unverzichtbar.

Mehr als zehn Jahre nach Bekanntwerden der Manipulationen an Diesel-Fahrzeugen von Volkswagen geht die strafrechtliche Aufarbeitung in eine weitere Runde. Vor dem Landgericht Braunschweig beginnt ein dritter großer Betrugsprozess im Zusammenhang mit der sogenannten Abschaltsoftware. Angeklagt sind fünf zum Teil ehemalige Mitarbeiter des Konzerns und eines Zulieferers. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem Beihilfe zum gewerbsmäßigen Betrug vor; im Falle einer Verurteilung drohen mehrjährige Haftstrafen. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Im Mittelpunkt steht erneut die Software, mit der Millionen Fahrzeuge der VW-Marken auf Prüfständen bessere Abgaswerte erreichten als im regulären Straßenbetrieb. Nach Auffassung der Ermittler entstand den Käufern dadurch ein Milliardenschaden. Die nun angeklagten Beschuldigten sollen zwischen November 2006 und September 2015 in unterschiedlichen Zeiträumen an Entwicklung und Implementierung der Funktion beteiligt gewesen sein oder sie unterstützt haben. Ziel sei es gewesen, Volkswagen hohe Gewinne zu sichern und darüber mittelbar von Gehalts- und Bonuszahlungen zu profitieren.
Der neue Prozess fügt sich ein in eine Serie von Verfahren, mit denen deutsche Gerichte den Dieselskandal juristisch aufarbeiten. Bereits im Mai 2025 endete nach mehreren Jahren Verhandlung der erste große Betrugsprozess in Braunschweig mit Urteilen gegen vier Angeklagte: Zwei erhielten Haftstrafen, zwei Bewährungsstrafen. Die Verurteilten sehen sich als Bauernopfer und haben Revision eingelegt; eine Entscheidung darüber steht aus, der tatsächliche Haftantritt dürfte sich entsprechend verzögern. Ein zweites Verfahren gegen fünf teils ehemalige Führungskräfte des Konzerns läuft seit November 2025, den vier Männern und einer Frau werden unter anderem Betrug, Steuerhinterziehung und strafbare Werbung vorgeworfen. Für diesen Prozess sind Termine bis mindestens Ende 2026 angesetzt.
Prominent, aber derzeit ruhend, bleibt das Verfahren gegen den früheren Vorstandschef Martin Winterkorn. Er war im ersten Braunschweiger Prozess zunächst Mitangeklagter, sein Verfahren wurde jedoch aus gesundheitlichen Gründen abgetrennt und wegen Verhandlungsunfähigkeit vorläufig eingestellt. Winterkorn hatte vor Gericht strafrechtliche Verantwortung zurückgewiesen. Ein rechtskräftiges Urteil im Kontext der Dieselaffäre liegt hingegen aus München vor: Ex-Audi-Chef Rupert Stadler wurde dort zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten sowie zur Zahlung von 1,1 Millionen Euro verurteilt. Parallel dazu hatte VW in den USA, wo der Skandal 2015 durch eine Mitteilung der Umweltbehörde EPA öffentlich geworden war, bereits mehr als 20 Milliarden Dollar an Strafen und Entschädigungen gezahlt; frühere Mitarbeiter wurden dort zu langen Freiheitsstrafen verurteilt.